Thomas Behling

Endlich Frieden mit der deutschen Geschichte

Thomas Behling: "Endlich Frieden mit der deutschen Geschichte" V, 2017
Eine falsche und dreizehn echte Hitlerbriefmarken, 28 x 35 cm

"ÄRMEL AUFKREMPELN ZUPACKEN AUFBAUEN!"

ONE NIGHT GROUP SHOW im Spor Klübü am 30.11.2018 ab 19 Uhr

Nach einem Jahr Aussetzen kommt sie nun wieder, die One-Night-Group-Show im Spor Klübü. Und nachdem seit 2005 zehn Exemplare dieses Ausstellungsformats Zitaten aus den 1980er Jahren gewidmet waren, werden sie nun auch aus anderen Dekaden kommen. Den Beginn dieser Öffnung bestreitet Franz Josef Degenhardt mit dem Zitat „Ärmel aufkrempeln - zupacken – aufbauen“ aus dem Jahr 1968. „Vatis Argumente (Ärmel aufkrempeln - zupacken – aufbauen)“ war seine erste Veröffentlichung als Single.

Das im Lied festgehaltene Gespräch führt „Vati“ nicht etwa mit Rudi Dutschke persönlich, sondern es wird erzählt aus der Sicht des Kindes als imaginäres Gespräch. In einer emotionalen Rede preist „Vati“ seine Leistungen und Errungenschaften im Abgleich mit Dutschke und seinesgleichen. Idealtypisch beschreibt der Text die generationsbedingten unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Perspektiven einer Eltern-Kind-Beziehung zu Zeiten der linksgerichteten Studentenbewegungen der 1960er Jahre. Armer und fleissiger Aufbauer versus Revoluzzer, Scharlatan und Faulenzer. Er - „Vati“- hat so unglaublich Recht, denn letztendlich hat er den Grundstein dafür gelegt, dass andere nun ein freigeistiges Leben führen können und zu allem Überfluss dann auch noch „klugscheissen“. Klingt eigentlich korrekt, aber leider bemerkt „Vati“ nicht, dass er inhaltlich nicht viel zu bieten hat und mit seiner rückwärts gerichteten und verklärten Sicht auch völlig alleine steht bzw. eher Verachtung als Lob erntet.

Was bedeutet das damalige Gespräch eigentlich für heute? Ist es immer noch das gleiche generationsbedingte konfliktgeladene Phänomen, oder lässt sich das heute gar nicht mehr so eindeutig lokalisieren? Weil es etwa diesen „Vorsprung“ der jungen Generation, diese frische neue Ernsthaftigkeit im Umgang mit Gesellschaft und Politik, die im Grunde automatisch zu einer engagierten Haltung führen muss, nicht mehr gibt? Fehlen die großen Impulse dafür? Gründe hat bzw. hätte man ja ausreichend, sogar mehr denn je, oder? Was wären „gesunde“ Anzeichen für eine Wiederholung dieser Geschichte von 1968? Cool bleibt jedenfalls „Vati“ trotzdem. Ärmel hochkrempeln – zupacken – aufbauen. Das klingt wirklich cool!

mit:
Boris Abel, Sonja Alhäuser, Mika Andersen, Robert Barta, Matthias Beckmann, Thomas Behling, Hannes Berwing, Antje Blumenstein, Pedro Boese, Gunnar Borbe, Saskia Breitenreicher, Johannes Bünemann, Matthew Burbidge, Astrid Busch, Alexander Callsen, Till Cremer, Rolf Czulius, Nataly Dietz, Knut Eckstein, Irena Eden & Stijn Lernout, Niki Elbe, Frederik Foert, Monika Goetz, Massoud Graf-Hachempour, Ben Greber, Thomas Grötz, Lise Harlev, Alekos Hofstetter, Stephan Homann , Birgit Hölmer, Sonja Hornung, Irène Hug, Hubi W. Jäger, Jakob Jensen, Thomas Jocher, Uwe Jonas, Klaus Jörres, Sven Kalden, Silke Koch, Karen Koltermann, Karsten Korn, Simone Lanzenstiel, Julia Lazarus, Lichtstrahl & Bleiche, Simon Lindhardt, Sabine Linse, Ingeborg Lockemann und Elke Mohr, Christine Lohr, Frank Maier, Gerhard Mantz, Matthias Mayer, Stefanie Mayer, Wolfgang Mayer, Ulrike Mohr, Peter Müller, Paula Muhr, Leo de Munk, Berit Myrebøe, Kirsten Palz, Manfred Peckl, Kathrin Rabenort, Thomas & Renée Rapedius, Maria-Leena Räihälä, Benjamin Renter, Cornelia Renz, Jiannis Savvidis, Katalin Schaak, Olivia W. Seiling, Johanna Smiatek, Erik Smith, Elisabeth Sonneck, Anne Staszkiewicz, Gabriele Stellbaum, Vassiliea Stylianidou mit Justice for Zak / Zackie Block Berlin (queer activists from greece and Soli Tsoli group), Stoll & Wachall, Max Sudhues, Anja Teske, Peter Torp, Chryssa Tsampazi, Micki Tschur, Kata Unger, Julien Villaret, Gabiela Volanti, Anke Völk, Florian Wagner, Christine Weber, Linda Weiss, Anke Westermann, Barbara Wille, Markus Wirthmann, Michaela Zimmer, Christof Zwiener

Spor Klübü
Freienwalder Str. 31
13359 Berlin
freier Eintritt