Thomas Behling

"Unser Bild der Erde"

Thomas Behling: "Unser Bild der Erde", 2019, 85 x 71 x 15 cm
Aus der Erdkugel stehen wie kleine Nadeln unzählige leuchtende Glasfasern hervor. Das Bildobjekt zeigt die Erde, wie sie aussehen könnte bei einem Meeresspiegelanstieg von 60 Metern. Sollten beide Pole vollständig abschmelzen, so würde dies einen Anstieg von 67 Metern bedeuten.

"Der Titel ist die halbe Miete"

Der Gmünder Kunstverein zeigt Arbeiten des Aktionskünstlers Ruppe Koselleck und Bildobjekte von Thomas Behling in der Galerie im Kornhaus. Dabei zeigt die Ausstellung nicht nur inhaltlich Parallelen in den auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Werken auf, sondern macht auch Ähnlichkeiten in der Arbeitsweise sichtbar.
Ruppe Koselleck sammelt seit 19 Jahren Teerschmutz und Ölklumpen von den Weltküsten und generiert daraus Frottagen und rohe Malereien. Der Verkauf dieser ROHÖLMALEREI finanziert den Ankauf von BP Aktien mit den Ziel der Feindlichen Übernahme eines global operierenden Ölkonzerns über seine verursachten Müll.
Im Gmünder Kunstverein wird der CEO BP in spe in einem performativen Öllabor weitere fossile Energieträger in Kunst verwandeln und mit Ihrem Support versuchen, sich den Öl- und Gaskonzern zwecks Einleitung der Klimawende in seiner Gänze einzuverleiben. Koselleck arbeitet überwiegend mit gefundenen Materialien, Öl von der Küste oder umherfliegenden Zetteln, Notizen - kurzum mit verlustigen Dingen aus dem öffentlichen Raum.
Thomas Behling arbeitet in seinen Bildobjekten mit dem Patina besetzten weltanschaulichen Erbe in unseren Hinterköpfen, welches oft unserem bewussten Selbstverständnis widerspricht. Gleichwohl prägt es unser Denken und Handeln weitreichend. Die Menschheit steht vor großen Herausforderungen: weit entfernt sind wir davon, dass Menschenrechte, Wohlstand, Freiheit und Demokratie für alle gelten. Der drohende globale ökologischen Kollaps, der sich nach einigen Jahrzehnten Vorankündigung davon verabschiedet hat, sich nur am Horizont abzuzeichnen, drängt zu rascher und entschiedener Veränderung. Doch erstaunlich stoisch halten wir an unseren gewohnten Denkmustern und Verhaltensweisen fest. Überkommene Bildformen drücken etwas von jener Weltsicht aus, die sich ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben hat. Ich befrage dieses Material vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen und bette diese in einen größeren geschichtlichen Zeithorizont ein, um so unser Urteilsvermögen zu erweitern.
Vernissage am Freitag, den 4. Dezember 2020 von 19:00 bis 22:00

Ausstellung von 05. 12. 2020 bis 24. 01. 2021

Galerie im Kornhaus -
Gmünder Kunstverein e. V.
Kornhausstraße 14
73525 Schwäbisch Gmünd

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 14-17 Uhr,
Samstag 10-14 Uhr, Sonn- & Feiertag 11-17 Uhr
Eintritt frei